Beim Motoröl auf die Viskosität achten

Jeder Verbrennungsmotor benötigt ein Schmiermittel, um – im wahrsten Sinne des Wortes – „reibungslos“ zu funktionieren. Hierfür dient das Motoröl. Je nach ihrer Viskosität (SAE-Klasse) und Qualität (ACEA-Spezifikation) unterscheiden sich die Motoröle jedoch in ihren Eigenschaften. Beim Kauf eines Öls müssen daher alle Angaben zu den verschiedenen Klassifikationen genau beachtet werden.

SAE-Viskositätsklasse auf einem Motorölbehälter

Beim Kauf eines Öls muss auf die verschiedenen Klassifikationen genau geachtet werden.
Ein Motoröl schmiert die Kolben und die Mechanik eines Verbrennungsmotors. Dabei erfüllt das Öl verschiedene Aufgaben:

  • Vermindern der Reibungen im Motor
  • Reduzierung von Verschleiß
  • Neutralisation von Säuren
  • Ableitung von Hitze
  • Vorbeugung gegen Oxidation
  • Vorbeugung gegen das Anhaften von Ablagerungen und Verbrennungs-rückständen (Reinigungswirkung)
  • Ölschlammverhütung

Um einen Motorschaden zu verhindern, sollten Autofahrer daher regelmäßig den Ölstand kontrollieren und entsprechend der Vorgaben des Autoherstellers stets rechtzeitig das Öl komplett wechseln. Doch welches Motoröl ist hierfür das richtige?

Viskosität von Öl

Jedes Motoröl wird nach der Viskosität, der ACEA-Spezifikation und den Herstellerfreigaben klassifiziert. Die Viskosität ist dabei eine Maßangabe, die Flüssigkeiten nach ihrem Fließwiderstand bzw. der Zähflüssigkeit klassifiziert. Je höher der Viskositätswert, desto zähflüssiger eine Substanz. Physikalisch gesehen beschreibt die Viskosität (ob beim Öl oder in anderen Liquiden) dabei die innere Reibung, welche bei der Bewegung einer Flüssigkeit entsteht, und wird in Millipascalsekunden (mPas) angegeben. Olivenöl beispielsweise besitzt bei einer Temperatur von 20°C mit rund 100 mPas eine höhere Viskosität als Wasser (1 mPas).

Mit sinkender Temperatur werden Flüssigkeiten immer zäher. Auch im Fall von Motoröl ist die Viskosität daher stets im Verhältnis zur Umgebungstemperatur zu betrachten. So muss das Öl auch bei einem kalten Motor dünnflüssig genug sein, um sich optimal zu verteilen. Wird der Motor heiß, darf das Öl jedoch nicht zu dünn werden, da es sonst seine schützende Wirkung verliert. Die Viskosität von Öl ist also immer an einen Temperaturbereich gebunden. Hierbei lassen sich verschiedene Viskositätsklassen unterscheiden. Diese sind durch exakte Prüfverfahren der Society of Automotive Engineers (SAE-Klassen) fest definiert.

Achtung

Die Viskosität beschreibt lediglich eine Eigenschaft des Motoröls, sagt jedoch nichts über dessen Qualität aus. Trotzdem ist ein richtiger Viskositätswert entscheidend für den korrekten Öldruck. So kann ein zu niedriger Druck Schäden an den Lagern hervorrufen, ein zu hoher dagegen kann die Dichtungen schädigen.

Motoröle für den Sommer- und Wintereinsatz

Im Bereich der Motoröle wird zwischen Einbereichsmotorölen (Einsatz entweder sommers oder winters) und  Mehrbereichsmotorölen (ganzjähriger Einsatz) unterschieden. Heutzutage werden im Pkw-Bereich jedoch ausschließlich Mehrbereichsöle verwendet – das heißt, es lässt sich das ganze Jahr über ein und dasselbe Öl verwenden.

Für welche Umgebungstemperaturen ein Motoröl zulässig ist, wird anhand der SAE-Viskositätsklasse festgelegt. Die jeweilige SAE-Klassifizierung eines Mehrbereichsöls hat den folgenden Aufbau: SAE 5W-30. (Viskosität des Motoröls: 5W-30)

Ölzettel im Motorraum

Die passende SAE-Viskositätsklasse ist auf einem Zettel im Motorraum vermerkt.
Dabei gilt:

  • Je niedriger die erste Zahl (5), desto niedriger ist die untere Temperaturgrenze (Niedrigtemperatur-Viskosität), bei welcher das Öl noch über eine ausreichende Fließfähigkeit verfügt. (5 bedeutet: einsatzfähig bis zu einer Außentemperatur von -30°C).
  • Je höher die zweite Zahl (30), desto höher ist auch die maximale Einsatztemperatur des Öls (Hochtemperatur-Viskosität). 30 bedeutet hier: Das Motorenöl lässt sich bis zu einer Außentemperatur von 30°C verwenden.

Das W steht für „Winter“. Sofern es sich um ein Einbereichsmotoröl handelt, sieht die Klassifizierung wie folgt aus:

  • Sommeröl: SAE 30 (bis 30 °C)
  • Winteröl: SAE 5W (bis -30°C)

Alle Motoröle sind dabei nach der Norm SAE J300 in die Viskositätsklassen 0W (sehr dünnflüssig) bis 60 (sehr dickflüssig) eingeteilt.

Viskositätsklassen (SAE-Klassen) in der Übersicht

Einbereichsöle

SAE-Klassifikation Viskosität Temperaturbereich * Art des Öls Verwendung
SAE 0W 0W -40°C Einbereichsmotorenöl Winter
SAE 5W 5W bis -30°C Einbereichsmotorenöl Winter
SAE 10W 10W bis -20°C Einbereichsmotorenöl Winter
SAE 15W 15W bis -10°C Einbereichsmotorenöl Winter
SAE 20W 20W bis 0°C Einbereichsmotorenöl Winter
SAE 20 20 bis 20°C Einbereichsmotorenöl Sommer
SAE 30 30 bis 30°C Einbereichsmotorenöl Sommer
SAE 40 40 bis 40°C Einbereichsmotorenöl Sommer
SAE 50 50 bis 50°C Einbereichsmotorenöl Sommer
SAE 60 60 über 50°C Einbereichsmotorenöl Sommer

Mehrbereichsöle

SAE-Klassifikation Viskosität Temperaturbereich * Art des Öls Verwendung geeignet für:
SAE 0W-40 0W-40 -40 bis 40°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 0W-30 0W-30 -40°C bis 30 Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 0W-20 0W-20 -40 bis 20°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 5W-40 5W-40 -30 bis 40°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 5W-30 5W-30 -30°C bis 30 Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 5W-20 5W-20 -30 bis 20°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 10W-60 10W-60 -20 bis 60°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 10W-50 10W-50 -20°C bis 50 Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Ottomotoren
SAE 10W-40 10W-40 -20 bis 40°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 10W-30 10W-30 -20°C bis 30 Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 15W-50 15W-50 -10 bis 50°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 15W-40 15W-40 -10°C bis 40 Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Ottomotoren
SAE 20W-50 20W-50 0 bis 50°C Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Otto- & Dieselmotoren
SAE 20W-40 20W-40 0°C bis 40 Mehrbereichsmotorenöl ganzjährig Ottomotoren

(* Die Angaben der Temperaturbereiche sind hierbei nur als Näherungswerte zu verstehen.)

Wie kann ich die richtige Motoröl-Viskosität ermitteln?

Welche Viskosität ein Öl besitzen muss, ist an verschiedenen Stellen vermerkt:

  • Bedienungsanleitung des Fahrzeugs
  • Service-Scheckheft
  • Zettel im Motorraum

Dort lassen sich entweder die Herstellerfreigaben oder die zulässigen SAE-Viskositätsklassen finden. Zudem können Sie alle erforderlichen Informationen auch in Ihrer Vertragswerkstatt erfragen und online ermitteln (über Datenblätter des jeweiligen Autoherstellers).

Fazit

Wer Motoröl der falschen Viskosität verwendet, riskiert neben einem Motorschaden auch den Verlust von Garantie- und Kulanzansprüchen für sein Auto. Daher sind beim Kauf eines Öls entweder die Viskosität oder die Herstellerfreigabe in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs exakt mit den Angaben auf der Ölflasche zu vergleichen.

Autor: Henrik Lode


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